Verehrte Leserin, verehrter Leser!

Jaan Sootak
pp. 1-1 [PDF] [Cover PDF]

Das Recht führt sein eigenes Leben. In einem demokratischen Land hat das Recht eine souveräne Stellung, es darf nicht politisch manipulierbar oder populistisch handhabbar sein. Das eigene Leben des Rechts spiegelt sich auch in der Rechtswissenschaft wider, deren souveräne Stellung keineswegs die Möglichkeit einschließt, als „Ding an sich“ still und ungestört zu wirken. Eine der für die Entwicklung der Rechtswissenschaft unentbehrlichen Existenzformen ist die wissenschaftliche Kommunikation sowohl mit in- als auch ausländischen Kollegen. Die kritische Masse der estnischen Rechtswissenschaftler ist derart gering, dass der Versuch, sich lediglich auf inländische Kollegen zu stützen, die Entwicklung verkümmern lassen würde. Deswegen braucht die estnische Rechtswissenschaft für ihre Existenz Kontakte mit den ausländischen Kollegen wie Luft zum Atmen. Selbstverständlich mit keiner Absicht, wie ein Geselle alles Ausländische nachzuahmen, sodern weil die wissenschaftliche Kommunikation eine der wesentlichsten Existenzformen der Wissenschaft und somit notwendig für uns alle ist. Diese Ausgabe umfasst überwiegend Beiträge, die auf Grundlage der auf der von 9.-13. Oktober 2002 in Tartu abgehaltenen internationalen Konferenz „Estnische Strafrechtsreform und neues Strafrecht im europäischen Vergleich“ gehaltenen Vorträge geschrieben wurden. Die Beiträge sind meistens auf Deutsch, obwohl an der Konferenz Strafrechtswissenschaftler nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Finnland, Frankreich, Lettland und Schweden teilnahmen. Die Stellung der estnischen Strafrechtswissenschaft in Europa wird wahrscheinlich am genauesten durch die Worte des Geschäftsführers der Deutschen Stiftung für Internationale Rechtliche Zusammenarbeit Dr. Matthias Weckerling bei der Eröffnung der Konferenz charakterisiert: „Estland und Tartu im Besonderen entwickeln sich dank der Initiativen der juristischen Fakultät der Universität Tartu und des Justizministeriums der Estnischen Republik immer mehr zu einem wichtigen Konferenzort für eine Bestandsaufnahme und Diskussion internationaler Entwicklungen auf verschiedenen Rechtsgebieten: ich erinnere nur an das Symposium zum Zivilrecht im September vergangenen Jahres, das ebenfalls den nationalen Reformprozess für internationale Diskussionen und Einflüsse in eindrucksvoller Weise geöffnet hat. Ihre Offenheit für internationale, insbesondere europäische Einflüsse auf Ihr Rechtssystem ist im Bereich des Strafrechts umso bemerkenswerter als das Strafrecht ja bis vor nicht allzu langer Zeit, jedenfalls in materiell-rechtlichen Hinsicht, ausschliesslich als Domäne der nationalen Rechtsordnungen angesehen wurde. Aber heute und morgen wird es wohl nicht so sehr um die strafrechtlichen Regelungen gehen, die sich auf die Europäische Union und ihre Intitutionen beziehen, sondern vor allem um Aspekte der Annäherung der einzelnen Straf- rechtsordnungen aneinander, also um Strafrechtsharmonisierung – plakativ gesprochen: von der Konkurrenz zur Kongruenz nationaler Strafrechte …“ Aus der Konferenz wurden Publikationen und in dieser Form führt die kommunikative Rechtswissenschaft ihr Leben auf eine andere und beständigere Art und Weise weiter. Hoffentlich finden die Leser hierin so manches Interessantes, was zur Entwicklung der rechtswissenschaftlichen Gedankenführung beitragen sowie dadurch auch mithelfen wird, das Strafrecht präziser und somit gerechter zu gestalten.

Jaan Sootak
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  • Aktuelle Probleme rechtsstaatlicher Strafgesetzgebung
    Hans Joachim Hirsch
    pp. 4-10 [PDF]

  • Verbrechensbegriff und völkerstrafrechtliche Tatbestände im neuen StGB Estlands
    Jörg Arnold
    pp. 11-15 [PDF]

  • Subjektiver Tatbestand, Schuld und subjektive Grundlagen der Verantwortlichkeit
    Walter Gropp
    pp. 16-23 [PDF]

  • Aktuelle Probleme und Reformfragen des Sanktionenrechts in Deutschland
    Frieder Dünkel, Christine Morgenstern
    pp. 24-35 [PDF]

  • Europäisches Strafrecht – Legitimation und Zukunftsperspektiven
    Thomas Weigend
    pp. 36-42 [PDF]

  • Freiheitsstrafe und Gefängnissystem in Deutschland
    Christoph Flügge
    pp. 43-46 [PDF]

  • La réforme du droit pénal estonien dans le contexte des réformes pénales survenues en europe et spécialement en europe de l’est
    Jean Pradel
    pp. 47-54 [PDF]

  • Strafrechtlicher Vorsatz: Die neuesten Entwicklungen in der schwedischen Wissenschaft und Praxis
    Josef Zila
    pp. 55-61 [PDF]

  • Über die neueste Strafrechtsentwicklung in Finnland
    Raimo Lahti
    pp. 62-67 [PDF]

  • Die Entwicklung der Strafgesetzgebung in der Republik Lettland
    Uldis Krastiņš
    pp. 68-72 [PDF]

  • Fahrlässigkeit im estnischen Strafrecht – eine dogmatische Figur in der Erneuerung
    Jaan Sootak
    pp. 73-79 [PDF]

  • Der Begriff des Vorsatzes im Strafrecht und die psychologische Behandlung des Willens
    Priit Pikamäe
    pp. 80-88 [PDF]

  • Massenmedien und die Strafrestaussetzung zur Bewährung: Empirische Untersuchung der massenmedialen Darstellung von der bedingt-vorfristigen Entlassung in Estland
    Norman Aas
    pp. 89-99 [PDF]

  • Later Criminal Careers of Occupants of Juvenile Reformatory and Penal Institutions
    Jüri Saar
    pp. 100-109 [PDF]

  • Personal Inviolability and Diplomatic Immunity in Respect of Serious Crimes
    René Värk
    pp. 110-119 [PDF]

  • Space and Time as Central Issues of Society’s Perception of Law. Integraal Link Between Law and Time and Space
    Raul Narits
    pp. 120-127 [PDF]

  • Methods of Interpreting the Constitution: Estonia’s Way in an Increasingly Integrated Europe
    Joachim Sanden
    pp. 128-139 [PDF]

  • The Role of Basic Rights in Environmental Protection. Basic Right to Environment de lege ferenda in the Estonian Constitution
    Airi Andersson, Tim Kolk
    pp. 140-150 [PDF]

  • The Right to Use Minority Languages in the Public Sphere: Evaluation of Estonian Legislation in Light of the International Standards
    Kristiina Albi
    pp. 151-161 [PDF]

  • Dissenting Opinion and Judicial Independence
    Julia Laffranque
    pp. 162-172 [PDF]

  • Concurrence and the Study of Judicial Behavior in American Political Science
    Nancy Maveety
    pp. 173-185 [PDF]

  • Free Trade and the Precautionary Principle
    Hannes Veinla
    pp. 186-196 [PDF]

  • Debtor’s Liability under Bankruptcy
    Paul Varul
    pp. 197-202 [PDF]

  • Scope of Claim for Consequential Damage in Delict Law
    Margus Kingisepp
    pp. 203-210 [PDF]

  • Deutsch-Estnische Rechtsfragen. N. von. Redecker (Hrsg.). Band 13. Studien des Instituts für Ostrecht München. Frankfurt am Main: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften, 2003. – 108 S.
    Raul Narits
    pp. 211-213 [PDF]